Anfang und Ende einer Karriere Nr.1                                             
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Meine Eltern waren eher konservativ und so sollte ich auch im zarten Alter von 10 oder 11 Jahren, es können auch 12 gewesen sein (so genau weiß ich das nicht mehr) das Klavierspielen erlernen. Doch die Klavierschulen der 60-er Jahre (ob sie heute besser sind, kann ich nicht sagen) waren noch auf dem Stand der 30-er und nachdem der „Fröhliche Landmann“ endlich von seiner Arbeit zurückgekehrt war, hängte ich meine so hoffnungsvoll begonnene Pianistenkarriere an den Nagel. Allmählich begannen die Haare länger zu werden und nach monatelangen Diskussionen kam dann endlich die erste Gitarre ins Haus.

Entwicklung der musikalischen Basis

Die Gruppen der Endsechziger waren da schon viel interessanter, aber prägend war ein Freundeskreis (neudeutsch: Clique), in dem viel und gerne gesungen wurde. Vor allem die anglo-amerikanischen Folk- und Protestsänger mit ihren Protagonisten Bob Dylan, Woody und Arlo Guthrie, Pete Seeger, Donovan, Cat Stevens standen auf der Hitliste. Weil wir jedoch kulturell vielseitig orientiert (vielleicht auch desorientiert) waren, wurde das englisch-sprachige Liedgut mit deutschen Volksliedern (sogar noch aus der Wandervogelzeit), mit Kreationen der deutschen Liedermacher ergänzt, insbesondere Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz-Josef Degenhardt. Modern und bodenständig wollte man in diesen stürmischen Jahren sein, die geprägt waren von der Suche nach einem neuen Selbstverständnis. So wurde auch viel bayerisches Liedgut in der Sangesrunde gepflegt und gesammelt.

Ein breites musikalisches Interesse wurde in diesen Jahren grundgelegt. Selbstverständlich spielte ich auch in verschiedenen Schüler-Rock-Formationen, meist quälte ich dabei den E-Bass. Als es dann Richtung  Abitur ging, war wieder die alte Oscar Teller Gitarre gefragt, um in Lernpausen für gute Stimmung zu sorgen.

Lehrjahre, Karriere-Ende Nr. 2

In den folgenden Jahren begleitete mich stets meine nylonbesaitete Gitarre durchs Studium und ich konnte mir Dank einer Unmenge an Gitarrestunden einen relativ komfortablen Lebenswandel leisten. An der Münchner Uni hatte ich dann das Glück einen fantastischen Gitarrelehrer zu bekommen, bei dem ich (leider viel zu kurz) Unterricht in klassischer Gitarre hatte. Vergessen war der „fröhliche Landmann“ aus Kindertagen. Klassik war faszinierend und ich hing stundenlang an Etüden und Vortragsstücken. Aber das Studium verlangte einen Wechsel der Uni und so wurde meine Karriere als klassischer Gitarrist abrupt beendet.

Ausflug in ein neues Metier  Karriere-Ende Nr. 3

Ein Angebot in einer Unterhaltungsband mitzuspielen kam da gerade recht, um die Lücke zu füllen. Die in dieser Zeit erworbene Bühnenerfahrung kommt mir heute noch zu Gute, auch wenn ich immer noch vor jedem Auftritt einen Riesen-Bammel habe. Doch die angepeilte Gründung einer Familie setzte auch dieser Laufbahn ein Ende.

Wanderjahre

Während wechselhafter und bewegter beruflicher Jahre waren mir Lieder und Gitarre ständige gute Begleiter. Durch halb Europa habe ich meinen Gitarrenkoffer geschleppt. Die Lieder hatte ich im Kopf und im Herzen sowieso immer bei mir.

Im Beiwagen meines Motorrads hatte der Gitarrenkoffer neben Frau und Kindern über viele Jahre seinen festen Platz. An wie vielen Lagerfeuern, bei wie vielen Festen, Geburtstagen und feuchtfröhlichen Abend ich gespielt habe, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich will es gar nicht wissen, denn nur das gute Gefühl, das geblieben ist zählt.

Der Neustart  Nr.4

Da macht mir doch irgendwann ein guter Freund, der mit Lob eher sehr sparsam umgeht, nach einer durchzechten und durchsungenen Nacht unaufgefordert ein Riesenkompliment. Wochenlang gärte es bis nach Monaten der Entschluss reifte, es noch mal zu versuchen. Angegraut das Haar, rauchig die Stimme, wollte ich wieder zurück auf die Bühne. Mit meinen Liedern, die ich schon als Jugendlicher gelernt und über viele Jahre immer gepflegt hatte.  

Ein bisschen Grundsätzliches

Lieder sind für mich heute der lebendigste Teil unserer Geschichte. Lieder erzählen Geschichten, Geschichten lehren Geschichte, nicht wie sie in Büchern steht, sondern wie sie empfunden und erlebt wurde. Volkslieder sollten nicht in Büchern verstauben oder zu volksdümmlichem kommerziellen Schwachsinn degradiert werden, sondern sind ein prägender Bestandteil meiner/unserer musikalischen Identität. Genauso wenig haben diese Lieder die elitäre Inanspruchnahme durch Volksmusikpuristen verdient, von denen manche am liebsten auch noch Lieder von Suff und Sex unter eine sterile Glasglocke stellen würden und sie entsprechend interpretieren.

Damit nichts missverstanden wird

Meine Musik sind meine Lieder, die mich seit mehreren Jahrzehnten begleiten. Manche sind verloren gegangen, andere neu hinzugekommen. Andere waren vergessen und tauchten plötzlich wieder auf. Gelegentlich dringt ein eigener Text an die Oberfläche und verlangt danach aufgeschrieben und gesungen zu werden.

Ich bezeichne  mich daher auch nicht als Liedermacher, eher als Liedersammler und meines Erachtens am treffendsten als Musikant und Liedersänger.

Meine Zuhörer lade ich ein sich mit mir auf eine Liederreise zu begeben, sich einzulassen auf Stimmungen, Gefühlen und der Phantasie ihren Lauf zu lassen.

Meine Musik soll vom Herzen kommen, denn „nur mit der Herzen singt man gut“ (Saint-Exupéry möge mir verzeihen), „aba a wenig a Gaudi dearf scho a sei!“  

Peter Stern, März 2008

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